Familien im TUS: Familien Zängle

10.09.2014

Aus unserer Reihe TUS-Familien porträtieren wir Familien die über Generationen hinweg eng mit dem TUS verbunden sind und die Entwicklung des Vereins prägten. Heute stellen wir vor:

Gisela Schlenker

TuS: Als Tochter eines Gründungsmitgliedes war dir der TuS wohl schon in die Wiege gelegt?

Gisela: Bernhard Maurer, mein Vater, war Mitbegründer des Vereins im Jahr 1921. Da wurde Gewichtheben, Ringen und später Tauziehen ausgeübt. Es lag wohl nahe, dass ich auch aktiv wurde. Aus dieser Zeit gibt es nur wenige Bilder, dieses hier ist wohl eines der ältesten Vereinsbilder.

 

TUS: Sport für Mädchen war früher nicht selbstverständlich?

Gisela: Es gab im Jahr 1948 die erste Mädchengruppe im Turnen. Unser damaliger Trainer, Zahnarzt Jürgensen, trainierte uns schwerpunktmäßig in der Leichtathletik und Gerhard Schleicher im Geräteturnen. Vorrangig wurden die Männer trainiert. Unser Turnen hinten im Hechinger musste weichen sobald Herrentraining war. Dann sind wir eben mit dem Fahrrad nach Weisweil gefahren, um im Gasthaus Ochsen unseren Sport zu betreiben.   

 

TuS: Und das Bild zeigt die erste Damengruppe?

Gisela: Ja, mit den kurzen Röcken die Schülerinnen und die schon aus der Schule entlassenen Turnermädchen trugen lange Röcke.  

TuS: Nach den sportlichen Darbietungen wurde für die Turn- u. Festhalle gesammelt?

Gisela: Bei Turnfesten im Umland und Auftritten in Nachbargemeinden verkauften wir 8 Turnermädchen Bausteine. So warben wir in den Nachbargemeinden für finanzielle Unterstützung. Es entstand schließlich im Jahr 1955 die erste Sporthalle im weiten Umkreis, und dies ermöglichte der TuS als treibende Kraft. 

 

TuS: Die Kirche sah solche Aktivitäten nicht immer gerne?

Gisela: Damals mussten wir sonntags in die Christenlehre. Konnte man nicht teilnehmen, dann war eine Entschuldigung beim Pfarrer vorzutragen. In einer  Sonntagspredigt hatte mich Pfarrer Benz von der aus Kanzler beschimpft, weil ich in der Christenlehre fehlte, um an einem Wettkampf teilzunehmen. Ich erfuhr erst am nächsten Tag bei der Fabrikarbeit davon. Es war nicht rechtens, denn ich hatte mich bei der Pfarrköchin ordentlich abgemeldet, was er wohl nicht wusste. Ich stellte klar, dass er dies zurücknehmen solle, darauf antwortete er mir: „Das kannst du von mir nicht verlangen, früher warst du mein Freudenkind heute bist du mein Sorgenkind.“

 

TuS: Viele Tanz- und Turnvorführungen erforderten immer wieder neue Choreographien und Kostüme?

Gisela: Ich ging beruflich für drei Jahre in die Schweiz und wurde dort Mitglied im schweizerischen Arbeiter- u. Sportverband. Hier

holte ich mir viele Inspirationen

für einige spätere Auftritte die wir unter der Regie von Emil Rupp, bei den legendären ‘Bunten Abenden‘ des TuS, aufführen durften. So entstanden die Ambos-Polka und viele Auftritte des TuS.

Von links nach rechts: Luzia Ulmer (geb. Duri), Waltraud Bub (geb. Lauble), Ilse Merklin (geb. Kaiser), Anna Ehrler (geb. Weichner), Martha Duri-Seidel, Gisela Schlenker, Christa Moser (geb. Koch),  Ingrid Stiegen.  

 

TuS: Dies hat das aktive Leben in Verein und Gemeinde  bereichert?

Gisela: Die Frauengruppe, später unter der Leitung von Doris Zängle, gestaltete viele Auftritte mit großen Gruppen, wie zum Beispiel am Baggersee auf der Seebühne, das „Spiel ohne Grenzen“ mit den Fallschirmspringern im Jahr 1973, oder die Kaiserjäger in 1987. Das waren alles legendäre Darbietungen, die ihresgleichen suchten.

TuS: Und dabei die Jugend mit eingebunden?

Gisela: Meine Tochter Manuela nahm ich schon als Baby mit. Noch vor ihrem Studium bildete eine Tanzgruppe, zuerst mit Alice Zehnle und Christel Weichner, später mit Claudia Bienmüller zusammen. Vor 13 Jahren startete sie eine Eltern-Kind-Gruppe aus der später wieder eine Mädchentanzgruppe hervor ging. Erst jüngst war diese Gruppe beim BTB Dance Cup 2012 am 20. Oktober in Waghäusel sehr erfolgreich. In der Kategorie „Dance Experience“ wurde mit der neuen Jazztanz-Trainerin, Cindy Ernst, ein sensationeller zweiter Platz erreicht. 

Von links:

Anni Weiß, Roswitha Künstle, Hanni Federer, Christel Zehnle, Traudel Steidle, Edda Baumann, Gisela Schlenker, unten von links:   Doris Zängle, Christa Moser, Martha Duri-Seidel

TuS: Woher kommen die Kleider und Kostüme?

Gisela: Diese fertigen wir selbst. Kostüme für Fasnacht, Kleider für Auftritte auch für Kindergruppen, für Ballett und Tanzgruppen sind immer in Eigenregie entworfen und hergestellt worden.

TuS: In den vielen Jahren aktiver TuS-Mitgliedschaft wurdest du für dein Engagement mehrfach ausgezeichnet?

Gisela: Ich erhielt die goldene Ehrennadel für 20 Jahre Hausfrauengymnastik zusammen mit Doris Zängle und eine Urkunde für 36 Jahre Mitgliedschaft im TuS.

TuS: Du bist nicht nur im TUS sondern in vielfältiger Weise, wie zum Beispiel im Gemeinderat, ehrenamtlich tätig?   

Gisela: Seit 23 Jahren wirke ich im Gemeinderat von Rheinhausen. Wo es möglich war, habe ich die Belange des TuS unterstützt. Über 12 Jahre bin ich schon Vorsitzende im Kreisseniorenrat des Landkreises Emmendingen. Durch einen Anstoß von Frau Früh engagierte ich mich im Förderverein Schule und konnte während 10 Jahre Vorsitz der Schule viel Geld zur Verfügung stellen. Bei Basaren, Adventscafés und vielen anderen Gelegenheiten wurde Selbstgebasteltes verkauft und der Reinerlös gespendet. Besonders gerne blicke ich auf 12 Jahre ehrenamtliche Hausaufgabenbetreuung zurück, die ich zweimal wöchentlich ausübte. Des Weiteren war ich viele Jahre Schöffin an der großen Strafkammer in Freiburg und ehrenamtliche Richterin am Arbeitsgericht.      

TuS: Liebe Gisela, wir schätzen dein Engagement und sind froh, dich als Freundin und Unterstützerin des Vereins kennengelernt zu haben.

Gisela: Vereine sind sehr wichtig für eine lebendige Gemeinde. Hier werden Vorbilder aufgezeigt, an denen Kinder erstarken können. Gerne bringe ich mich immer wieder für die Belange der Vereine und des TuS ein. In diesem Sinne biete ich am Rande einiger TuS Veranstaltungen Selbstgestricktes zum Verkauf an. Der Erlös geht zu 100% in die TuS-Jugend.        

TuS: Vielen Dank und hoffentlich sehr gute Verkaufserlöse, die TuS-Jugend bedankt sich vielmals bei dir. 

 

Das Gespräch mit Gisela Schlenker führte Irmi Schuler

© TuS Oberhausen e.V. 2019