Familien im TUS: Werner Früh

21.11.2014

Aus unserer Reihe TUS-Familien porträtieren wir Familien die über Generationen hinweg eng mit dem TUS verbunden sind und die Entwicklung des Vereins prägten. Heute stellen wir vor:

Werner Früh

 

TUS: Herr Früh, waren Sie schon immer sportlich aktiv?

Werner Früh: ich kam beim Schulsport zum Turnen. Mein Vater, Heinrich Früh, ein Mitbegründer des TUS, hatte auch geturnt; da lag es wohl nahe. Aber damals war das Turnen noch nicht so aktuell, im TUS gab es in den Anfängen zuerst das Tauziehen.

TUS:  welche Trainingsmöglichkeiten hatten die Turner anfänglich?

W.Früh: in den zwanziger Jahren als es keine Turnhalle gab konnten wir im Schweitzerhof turnen. Das Gebäude war durch den Krieg beschädigt, die Fenster defekt, daher hatten wir mit Kartons die Scheiben zugeklebt. Wir behalfen uns mit noch vorhandenen alten Turngeräten. Später wurde das Gebäude als Zigarrenfabrik genutzt und wir standen wieder ohne Trainingsort da

TUS:  wie oft wurde trainiert?

W.Früh:   dreimal  wöchentlich dienstags und freitags, und am Sonntagmorgen nach der Frühmesse.

TUS:  gab es auch öffentliche Darbietungen?

W.Früh: in der Turnriege folgten viele Auftritte an Turnfesten, Vereinsturnieren, Schauturnen, bei Festen und dergleichen.

TUS:  welches waren ihre sportlichen Erfolge?

W. Früh: beim Landesturnfest 2003 wurde ich Badischer Meister bei den Seniorenmeisterschaften im Geräteturnen Boden, Sprung, Barren und Reck. Einige zweite Plätze erturnte ich bei Landesturnfesten z.B. in den Jahren 1996 und 2008.  1975 wurde ich Gausieger beim Gauturnfest. Von der Gemeinde erhielt ich die Sportlerehrenmedaille.  Im Jahr 2000 wurde mir die Karl-Heinrich-Medaille vom Gauturntag verliehen.

TUS:   als Vereinsmitglied waren Sie über das Turnen hinaus noch vielfach engagiert?  

W.Früh:   über 30 Jahre trainierte ich Turner und im Jahr 1984 wurde ich in den   stellvertretenden Vorstand des TUS gewählt.

TUS:   auch im Ehrenamt erhielten Sie zahlreiche Auszeichnungen?

W.Früh: das Land Baden-Württemberg verlieh mir im Okt 2001 die Ehrennadel für langjährige Verdienste im Ehrenamt.

TUS:   sicherlich hochverdient! Die Aktivitäten im TUS bereicherten regelmäßig auch das Leben in der Gemeinde Rheinhausen. Welche Events fallen ihnen da spontan ein?

TUS: wie ging es weiter?

W.Früh: hinterm Hechinger, unserem damaligen Vereinslokal, errichteten wir einen Anbau als Übungsraum. Dieser war etwa halb so groß wie die heutige Schulturnhalle. Im Garten des Hechingers trainierten wir im Freien und an einem aufgestellten Ringgerüst. Ohne diese Möglichkeit wäre der Verein damals wohl auseinander gefallen.                                

Es gab auch in der Umgebung keine Trainingsmöglichkeiten, so dass von Herbolzheim, Weisweil und Kenzingen die Turner nach Oberhausen gekommen sind.   

TUS: aber dann wurde über eine Halle nachgedacht?

W. Früh:   Ja, da half uns Bürgermeister Stehlin und es wurde von der Gemeinde die erste Turn- und Festhalle ermöglicht. Der Verein hat tatkräftig mitgeholfen. Wir haben die Fundamente von Hand ausgegraben und den Beton von Hand angemacht. In vielen Arbeitsstunden haben TUS‘ler dazu beigetragen die erste Turnhalle fertig-zustellen.

TUS:   Rückblickend, welches Ereignis hat Sie besonders bewegt?

W.Früh:   Das erste deutsche Turnfest nach dem Krieg. Die Turner wurden mit einem Sonderzug nach Berlin gefahren. Vorm Rathaus gab es eine offizielle Verab-schiedung durch den Bürgermeister. Jeder Turner hat einen Zuschuss von 50,-DM erhalten. Das war 1954.

TUS:   auch heute noch sind Sie aktiver Turner.

W.Früh:   Heute ist das auch viel einfacher. Früher in der Schulturnhalle mussten wir die Eingangstür öffnen um genügend Anlauf für den Seitpferdsprung nehmen zu können. Das ist jetzt schon eine schöne Sache in der Rheinmatthalle.

 

Lieber Werner, liebe Maria, vielen Dank für das nette Gespräch.

Der TUS wünscht noch lange verletzungsfreie Turnzeiten.

 

Das Gespräch mit Familie Früh führte Irmi Schuler

W.Früh:   unvergessen sind die legendären Seenachtsfeste in den 70er Jahren. Der TUS bereichert alljährlich die Fasnet im Dorf mit einer Gruppe. Viele Fasnachtwägen wurden bei uns im Hof gebaut. Vergangenes Jahr beim TUS Jubiläum zeigten wir einen grandiosen Generationenauftritt der Turnern. Zudem gestalten wir gelegentliche Gastauftritte bei anderen Vereinen, zuletzt bei der Feuerwehr.

TUS:   wie kann bzw. konnte man das alles mit Familie und Beruf vereinbaren?

W.Früh:   Meine Frau Maria unterstützte mich zu jeder Zeit. Wenn im eigenen Ladengeschäft noch Kunden waren und das Training schon um 18:00 Uhr begann konnte ich direkt vom Geschäft in die Halle spurten weil Maria immer eingesprungen ist. Wie meine Frau, so wie auch alle vier Söhne, pflegten den Sport in gleichem Maße. Als Jugendliche waren die Kinder im Training regelmäßig dabei. Unser Ältester hat schon an ‚Jugend trainiert für Olympia‘ teilgenommen. Maria turnte im 1964 in der ersten Frauen Gymnastikgruppe. Zur damaligen Zeit leicht belächelt trainierten die Hausfrauen einmal wöchentlich. Freizeit und Urlaub wurde eben passend geplant.  

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